OSNABRÜCK. Sprechen wir über Lösungen und verschärfen wir den Konjunktiv. Das war der Appell, den Seedhouse-Geschäftsführer Florian Stöhr und Olaf Deininger bei der Eröffnung des innovate! Zukunftsdialogs für diesen Tag gesetzt haben.
„Der schwarze Schwan ist schon lange nicht mehr nur schwarz – und wir erleben gleich mehrere schwarze Schwäne auf einmal“, erklärt Christian Janßen von der Unternehmensberatung EY bei seiner Keynote. Unternehmen müssen strategisch zukunftsfähig werden, sowohl geopolitisch, technologisch als auch regulatorisch. Die Herausforderungen für Unternehmen steigen, während gleichzeitig Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit immer wichtiger werden. Im Aufbau resilienter Wertschöpfungsketten liege auch ein großes Potenzial für den Standort Deutschland.
Rund 400 Teilnehmer waren am Donnerstag vergangener Woche in das Coppenrath Innovation Center nach Osnabrück gekommen. Der renovierte ehemalige Lokschuppen beherbergt heute das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Labore der Landtechnikhersteller Krone und Grimme sowie etliche Startups. Auf zwei Bühnen und in mehreren Workshopräumen präsentierten wir ein umfassendes Programm, das am Vormittag als Einstieg aktuelle Befunde zu Rahmenbedingungen von globalem Agrarhandel bis zu den Folgen des Klimawandels lieferte. Am Nachmittag ging es dann um die Frage, wie angemessene Reaktionen darauf aussehen könnten. Welche Konzepte und Lösungen relevant werden. Dabei hatten wir bewusst auf viele unterschiedliche, aber zukunfts- und lösungsorientierte Blickwinkel gesetzt: So repräsentierten die Referentinnen und Referenten viele wichtige Stakeholder der AgriFood-Branche.
Einen deutlichen Akzent setzten Jörg Reuter, Gründer und Geschäftsführer des Reuter Campus Berlin, und Lea Fließ, Geschäftsführerin des Forums Moderne Landwirtschaft. Reuter stellte zwei Kernthesen auf: „Food-Tech ist kein Konsumentenbedürfnis. Es ist bestenfalls ein Ermöglicher von Kundenbedürfnissen.“ Je stärker sich gerade Nachhaltigkeitsbedürfnisse wandelten, desto relevanter würden technologische Lösungen. „In den vergangenen zehn Jahren hat Food-Tech dazu geführt, Natur zu ersetzen, statt dessen zu helfen. Es wäre es, wenn Food-Tech einfach intelligent zu nutzen? Es sei an der Zeit, Commodity-Rohstoffe neu zu denken.“ Lea Fließ stellte fest, dass trotz vieler guter Debatten über Landwirtschaft in Doppelbildern gedacht werde, die oft blockierend wirkten. Landwirtschaft stehe im Augenblick einer der spannendsten Innovationssprünge unserer Zeit bevor. Doch die Gesellschaft erwarte Zukunftsfähigkeit, nicht nur neue Tools. Vertrauen entstehe nicht durch PR, sondern durch Mühsal. Vertrauen entstehe durch Erzählen – und schon gar nicht durch Abwehrkämpfe. Es entstehe durch Begegnung. Durch Gespräche, die die Luft zwischen Vorstellung und Wirklichkeit schließen. Resilienz beginne nicht auf dem Feld. Resilienz beginne im Kopf.